Neujahrsvorsätze auf dem Prüfstand der Realität

Margits Beitrag

Was ist nur das Faszinierende daran, jedes Jahr, kurz vor dem Jahreswechsel sein Leben verbessern zu wollen: endlich abnehmen, mehr bzw. überhaupt Sport machen, mit dem Rauchen aufhören oder, oder, oder? Auch das Internet ist voller Motivationskurse das neue Jahr zum besten Jahr meines Lebens zu machen. Dabei ist der 1. Januar doch genau so ein Tag wie jeder, die Erde dreht sich genau so schnell, wie an allen anderen Tagen?  

Okay, es mag die Magie des Neuen sein, Rituale, Gruppenzwang, weil es ALLE (wirklich alle?) tun. Aber mal ganz ehrlich, ist nicht JEDER Tag ein Neuanfang? Haben wir nicht jeden Tag die Möglichkeit, etwas Neues in unser Leben einzuladen?

Viel wichtiger als der Starttermin ist doch das, was hinter unseren Vorsätzen steckt, das WARUM. Denn nur mit einem Warum, welches aus meinem Herzen kommt, habe ich überhaupt die Chance, länger als 5 Tage am Erreichen meines gesteckten Zieles dran zu bleiben.

Ein weiterer Grund, warum wir oft mit unseren Vorsätzen scheitern ist, dass wir uns zu viel vornehmen. Wenn wir etwas verändern wollen, dann am besten gleich alles. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen kosten Energie, viele Veränderungen kosten viel Energie. Woher soll diese zusätzlich notwendige Energie kommen? Nur weil der erste Januar ist, sind wir nicht automatisch auf ein höheres Energieniveau gesprungen. 

Also: gräme dich nicht, weil sich deine Neujahrsvorsätze in Luft aufgelöst haben. 

  • Du bist gut, so wie du bist
  • Du kannst jeden neuen Tag für deinem ganz persönlichen Startpunkt nehmen

Und bevor du neu startest:

  • Setze dir nur ein Ziel zur Zeit
  • Frage dich ganz ehrlich, WARUM du genau dieses Ziel hast. Ist es wirklich DEIN Ziel?

Bevor ich jetzt abschweife und eine Anleitung zum Ziele setzen und erreichen gebe, was hier nicht das Thema ist – mein ganz persönlicher Vorsatz für dieses Jahr: meditieren und das mache ich jetzt auch… OM.
Liebe Grüße Margit

Klaus Beitrag

So, der letzte Feuerwerkskörper ist lange verraucht, ihre meist unansehnlichen Reste in den Straßen weggeräumt, das Leben ist schon wieder einige Tage voran geschritten. Viele Menschen haben wieder an dem letzten Abend des Jahres sich vorgenommen, ihr Leben zu ändern. Rauchen wird aufgehört, ein Vertrag im Fitnessstudio soll unterschrieben und die unter Umständen etwas eingeschlafene Beziehung zu xy wieder belebt werden. Im Realitätscheck  sieht es oft nach wenigen Tagen mit den Neujahrsvorsätzen aus, wie mit den Feuerwerkskörpern. Sie sind ausgebrannt, die auf dem Boden liegenden Hüllen sind entsorgt und kaum etwas erinnert an den berauschenden Gedanken des Aufbruchs, der uns durchdrang in dieser einen Nacht.
Woran liegt es, wenn unser Wollen nur so kurzfristig ist?
Weil ein einzelner Tag, die Wandlung des Datums nunmal nichts in unserem Leben verändert. Die Numerologen unter den Esoterikern rechnen ab dato mit einer anderen Jahreszahl und kommen teils zu erstaunlichen, neuen Ergebnissen(*kleiner Exkurs am Ende). Bei nüchterner Betrachtung hat sich jedoch nichts Verändert. Unsere Resourcen – ob finanziell, räumlich, emotional, geistig, gesellschaftlich und so weiter – sind immer noch die Gleichen wie wenige Stunden zuvor.  Wir suchen den Unterschied also in dieser einen Nacht?
Mittlerweile bin ich der Überzeugung, das die guten Vorsätze, nicht nur bei mir, im Grunde nicht funktionieren. Deshalb habe ich keine Vorsätze für da neue Jahr gefasst.
Das soll nicht bedeuten, das ich mir, jede andere Person, nicht auch Ziele setzen kann, soll oder sogar muss. Ein oder mehrere Ziele sind für unsere Entwicklung unerlässlich. Sie sollten allerdings in Beziehung zu uns selbst stehen. Also ist Selbstreflexion das Gebot jeder Stunde vor Null Uhr am Neujahrsmorgen. Es beginnt mit einer Analyse meiner Situation, meiner Umstände. Welche Möglichkeiten habe ich? Kann ich es finanziell umsetzen? Brauche ich mehr Geld, um es zu erreichen (Z.B.. Reiseziel)? Halte ich einen Nebenjob zur Erweiterung meiner Möglichkeiten eigentlich durch? Ist meine Leben mit Mehrarbeit dann noch attraktiv? 
Schwieriger wird es mit Fragen, die meine sozialen/emotionalen Kompetenzen betreffen. Veränderung in der Beziehung zu meinen Mitmenschen.  Wer bin ich (eine der schwierigsten, unter ständigem Wechsel stehende Frage)?  Wass kann ich im Bezug dazu  wirklich leisten? Wir alle werden niemand anderes, schon gar nicht für jemand anderes. Veränderung hierbei vollzieht sich, auch willentlich, – wenn überhaupt – in Jahren, keineswegs in Sekunden.
Eintreten möchte ich für  den guten Vorsatz zu jeder Zeit, wenn wir erkennen, dass wir die Gelegenheit, die Mittel und die Motivation dazu haben. Also die Zeit ihre Reife hat unser Ziel zu reichen. Nicht weil ein Datum, gesellschaftliche Zwänge, Modeerscheinungen oder der Mond im Aszendenten Mehlwurm uns dazu anregen. Lasst uns die Energie, die in einer Silvesterrakete steckt, nehmen und langsam abbrennen. Das abgegebene Licht ist nicht so stark, bringt uns dennoch näher an unser Ziel und fällt nicht so schnell vom Himmel.

An die Numerologen: schon mal bedacht, dass das verwendete Datum unseres Christlichen Kalenders eine willkürliche Festlegung ist? Wir rechnen 2019 nach Christi Geburt. Die Geburt ist aber willkürlich festgelegt und in keiner Weise historisch dokumentiert. Dann werden dem ganzen wirklich Bedeutungen zugeordnet???? 2019 oder doch 2014 weil ja doch ein anderes Jahr war??? Und in der astronomischen (nicht astrologisch….) Zählweise wird’s besonders spannend mit Blick aus das Jahr Null.
Liebe Grüße
Klaus



2 Gedanken zu „Neujahrsvorsätze auf dem Prüfstand der Realität

  1. Hallo, Klaus. Hallo, Margit. Heute las ich euren ersten Beitrag in eurem Blog. Das Thema Vorsätze für das neue Jahr begleitet uns ja in jedem Jahr quer durch alle Medien. Vor dem Jahreswechsel geht es immer um das Thema Vorsätze und kurz nach dem Jahreswechsel geht es schon darum, was von den Vorsätzen noch übrig ist. Und ich gebe Euch recht, ein Vorsatz ist nicht zeitpunktabhängig. Ein Vorsatz kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Egal, ob Silvester, im Frühling, an einem Regentag…. Das Bedürfnis kommt von innen und nicht einfach so. Und Klaus, das Wort Selbstreflexion begleitet mich seit unserer Ausbildung und dessen Umsetzung hat mich und meine Umwelt verändert. Seit ich immer wieder in mich gehe und schaue, wie es mir geht, was läuft gut, was ärgert mich, hat sich viel getan in meinem Leben. Und seitdem gibt es für mich einfach nicht mehr diese Art von Vorsatz, die von außen kommt. Es gibt mein eigenes Bedürfnis hier oder dort etwas zu ändern. Mir geht es gut damit. Kein festes Datum für Veränderung – sondern Veränderung nach meinem Bedürfnis. Irgendwie klingt das Ganze jetzt recht egoistisch. Doch bin ich davon überzeugt, dass Veränderung nur gut funktioniert, wenn ich auf mich achte. Ich hoffe, ihr wisst, was ich meine. Danke für euren Beitrag. Ich freu mich auf den nächsten.

    1. Hallo Antje,
      ich kann sehr gut nachvollziehen was du sagst. Mit keiner Silbe finde ich es egoistisch. Dazu fällt mir ein Vergleich ein. Im Flugzeug bei den Sicherheitsanweisungen werden wir immer darauf aufmerksam gemacht, im Falle eines Druckabfalls zuerst uns selbst eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase zu ziehen. Nur dann sind wir in der Lage anderen dabei zu helfen. Insofern finde ich den Blick auf sich selbst, seine eigenen Bedürfnisse, das persönliche Wohlergehen sehr angebracht. Wenn es uns selbst gut geht können wir auch leichter anderen bei der Bewältigung ihrer „Aufgaben“ helfen. Insbesondere gilt das für unseren Beruf.
      Alles Gute
      Klaus

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